Absage an Sonderspaß – Verein bekommt das ehemalige Max-Ernst-Kabinett nicht

Inklusives Projekt –
Verein Sonderspaß bekommt das ehemalige Max-Ernst-Kabinett nicht

Das ehemalige Max-Ernst-Kabinett an der Bahnhofstraße in Brühl wird wohl nicht dem Verein Sonderspaß gegeben, der dort das inklusive Projekt Forum Sonderspaß verwirklichen möchte. Die Verwaltung hatte im Hauptausschuss eine Stellungnahme der Bezirksregierung veröffentlicht, die besagt, dass die Vergabe des Gebäudes aus der Nachkriegszeit uneingeschränkt zu begrüßen sei.

Man gehe nicht davon aus, dass dadurch die spätere Entwicklung des Belvedere-Geländes unangemessen einschränken würde. Dennoch: Nach einer längeren Diskussion im Hauptausschuss und nach den anschließenden Fraktionssitzungen ist das Mehrheitsbündnis von CDU und Grüne geschlossen gegen die Vergabe des Grundstücks mitsamt des Kabinetts an den Verein.

Sonderspaß Verein will inklusives Zentrum im Max-Ernst-Kabinett schaffen

„Es handelt sich um ein zentral gelegenes, strategisches Grundstück“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Hans Theo Klug. „Die Bezirksregierung schlägt selbst vor, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Die geht ohne dieses Grundstück nicht.“ Zudem sei das Vorgehen von Bürgermeister Dieter Freytag nicht angemessen gewesen.

Parkplätze
„Er hat uns den fertigen Plan des Vereins vor die Füße geworfen, frei nach dem Motto »Friss oder stirb«“, so Klug. „Er hätte uns früher informieren müssen.“ Zudem sei vorgesehen, dass die Stadt dem Verein öffentliche Parkplätze abtrete. Klug: „Das geht so nicht. Damit würden wir einen Präzedenzfall schaffen.“ Andere Anlieger wollten dann auch Parkplätze.
Johanna Mäsgen, Fraktionsvorsitzende der Grünen, ist ähnlicher Meinung: „Das Grundstück ist nicht geeignet für eine solche Entwicklung – es für 99 Jahre per Erbpacht wegzugeben, ohne zu wissen, was dort noch entsteht.“ Das gehe nicht gegen das Projekt Forum Sonderspaß, betont sie.

Bürgerbeteiligung
Auch sie sei verärgert über das Vorgehen des Bürgermeisters. „Das Vorhaben hätte in den Fachausschüssen besprochen werden müssen. Das wäre auch etwas für die Bürgerbeteiligung gewesen.“
Für Bürgermeister Dieter Freytag sind diese Aussagen „an den Haaren herbeigezogen“. CDU, Grüne und auch die FDP wüssten, dass sie mit der Ablehnung das Projekt zerstörten. Freytag: „Wir haben eine leerstehende Immobilie, die verfällt. Jetzt gibt es ein darauf bezogenes, sinnvolles Projekt eines freien Trägers. Das wird einfach kaputt gemacht, und ein städtisches Gebäude wird dem Verfall preisgegeben.“ Er stellt klar, er habe bereits im April 2016 den Hauptausschuss darüber informiert, das der Verein Sonderspaß angefragt hatte, um mit Fördermitteln das Max-Ernst-Kabinett umzubauen und ein inklusives Projekt zu verwirklichen.

Die SPD, stets Befürworter des Projekts, ist enttäuscht. „Ich kann es nicht nachvollziehen, wieso man so ein Projekt zum Scheitern bringt“, sagt SPD-Fraktionschef Dr. Matthias Petran. „Das Schreiben der Bezirksregierung unterstützt es doch.“ Darin sei eine kleinteilige Bebauung empfohlen. Und da, so Petran, passe ein Forum Sonderspaß wunderbar hinein.

(Quelle: http://www.ksta.de/26933604)

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Kommentar (von Britta Havlicek)

Zum Aus für das Forum Sonderspaß

Dornröschen schläft weiter

Es ist schade um das Projekt Forum Sonderspaß. Mehr als schade. Das ehemalige Max-Ernst-Kabinett hätte tatsächlich aus einem Dornröschenschlaf erweckt werden können. Der Prinz stand quasi schon vor der Tür. So unverständlich für viele die Entscheidung der Mehrheit sein mag, so befremdlich wirkt auch der Umgang mit dem Verein Sonderspaß. Hier wurde geackert und geplant, gerechnet und geprüft, es wurden Fragen aus der Politik beantwortet, Stellungnahmen eingeholt. Alles wie verlangt.
Das alles hat den Verein sicher eine Stange Geld gekostet. Schließlich gab es professionelle Pläne von Architekten. Solche möchte die Politik ja auch sehen. Sonst werden Projekte gerne als Luftschlösser beiseite geschoben. Auf jeden Fall hat es die Mitarbeiter des Vereins Hunderte Arbeitsstunden gekostet.
Nach all der Arbeit und trotz der positiven Beurteilung durch die Bezirksregierung bleibt nur eins: Sich von dem Gedanken zu verabschieden, dass Sonderspaß ins Kabinett einzieht und ein besonderes Projekt verwirklicht. Jetzt heißt es weioter warten. Vielleicht kommt ein anderer Prinz, der das Dornröschen wachküsst.